News Kraus Motorsport

Liebe Motorsportfreunde,

wir haben lange hin und her überlegt, ob wir uns zu den aktuellen Entwicklungen im NAVC, speziell am Berg, äußern sollen. Wir haben uns entschieden, doch ein paar Sätze loszuwerden.

Wir sind dieses Jahr oft danach gefragt worden, warum wir nicht starten und haben so manch einem dazu bereits etwas gesagt. Dass wir nicht gestartet sind, hat vielfältige Gründe. Hauptgrund ist die, aus unserer Sicht, falsche Entwicklung des NAVC am Berg.

Positiv ist zunächst einmal anzumerken, dass wir uns sehr gefreut haben, dass endlich eine permanente Rettungsstaffel am Berg anwesend ist. Wir hoffen, dass die Truppe um Dr. Markus Waclawik auch in Zukunft ihre sehr notwendigen Dienste anbieten kann und somit die vertrauensvolle Beziehung weiter ausgebaut werden kann.
Darüber hinaus gibt es aber auch negative Entwicklungen, vor denen wir nicht einfach die Augen verschließen können. Leider macht sich immer mehr Egoismus, sowohl bei Fahrern als auch bei Veranstaltern und Verantwortlichen im NAVC, breit. Grabenkämpfe zwischen Vereinen und Einzelpersonen, Neid und Missgunst, aber auch persönliche Profilierungen haben sich in einen Bereich gesteigert, der für den Fortbestand der Bergmeisterschaft nicht zuträglich ist.

Hierbei wird eines sehr schnell vergessen: Wir wollen doch einen schönen Sport betreiben und damit dem Alltag entfliehen.

Aufgrund rückläufiger Starterzahlen am Berg hat man in den letzten Jahren immer wieder versucht, durch vermeintliche Verbesserungen mehr Teilnehmer an den Start zu bringen, was jedoch bislang nicht gelungen ist. Dies bis hin zur aktuellen Änderung des Berg-Reglements in Hinsicht auf den Wertungsmodus mit der Abschaffung des Streichlaufes und der 1,5-fachen Punktewertung für Jura. Gebracht hat es aus unserer Sicht nichts Positives. Im Gegenteil. Die Starterzahlen stagnierten bzw. waren rückläufig. Zwar hatten sich in den einzelnen Klassen ein paar mehr Teilnehmer in die Meisterschaft eingeschrieben, jedoch nützt das nichts, wenn die Teilnehmer nicht zu den Meisterschaftsläufen erscheinen.

Letztlich haben die Änderungen bei vielen Leuten zur Verärgerung geführt. So manch einer stellt sich, wie auch wir, die Frage, welchen Sinn eine Meisterschaft machen kann, wenn wir schon vor Beginn wissen, dass wir nicht an allen Veranstaltungen teilnehmen können. Dies aus verschiedenen Gründen. Einerseits sind wir alle Hobbyfahrer und Privatleute mit Familien und andererseits sind wir aber auch an unsere Arbeit gebunden. Jeder von uns hat irgendwann einmal einen familiären Termin, der einen Start nicht zulässt. Auf der anderen Seite gibt es Leute, die nicht jedes gewünschte Wochenende arbeitsfrei haben. So, wie wir. Wir sehen es deshalb als sehr große Benachteiligung an, wenn kein Streichlauf mehr da ist.

Da sind hirnlose Scheinargumente wie „ in der Formel1 werden auch alle Läufe gewertet“ völlig fehl am Platz und ziemlich dumm. Wir sind keine Profifahrer, die riesige Teams hinter sich haben, um im Falle von Defekten oder Unfallschäden über Nacht ein neues Auto hinzustellen. Woher dieser Änderungswunsch kam und aus welchem Grund er kam, ist wohl so ziemlich jedem im Fahrerlager klar. Aus unserer Sicht versucht man damit, sich unangenehmer Konkurrenz zu entledigen.

Es gibt noch einen weiteren Punkt, warum dieser Wertungsmodus alles andere als fair ist. Es soll ja nach den Befürwortern darum gehen, dass der beste Fahrer bzw. die beste Fahrerin am Ende des Jahres zum Meister gekürt wird. Dies ist aber nicht automatisch der Fall. Es wird der Fahrer bzw. die Fahrerin mit den meisten Punkten zum Meister gekürt. Anhand von vier Rechenbeispielen wollen wir einmal aufzeigen, wie idiotisch das in der Realität sein kann.

Beispiel 1:
11 Rennen, 10 Starter in der Klasse
Fahrer A: 10 Siege, 1 Ausfall mit 0 Punkten im letzten Lauf
Fahrer B: 10 x 2. Platz, Sieg im letzten Lauf

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Beispiel 2:
11 Rennen, 20 Starter in der Klasse
Fahrer A und Fahrer B wie oben

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Beispiel 3:
5 Rennen, 5 Starter in der Klasse
Fahrer A: 4 Siege, 1 Ausfall mit 0 Punkten im letzten Lauf
Fahrer B: 4 x 2. Platz, Sieg im letzten Lauf

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Beispiel 4:
5 Rennen, 10 Starter in der Klasse
Fahrer A und Fahrer B wie oben

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Und noch ein letztes Beispiel aus der Formel 1, da diese ja als Vorbild genannt wurde.

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In den Beispielrechnungen gewinnt also keineswegs der beste Fahrer die Meisterschaft, sondern der, der alle Läufe gefahren hat, auch wenn er mehr als deutlich der schlechtere Fahrer gewesen ist. Wer 10 Siege einfährt, vielleicht in seiner persönlichen Performance haushoch überlegen ist, sollte auch Meister werden. Die Beispiele sprechen leider eine andere Sprache.  Im Punktesystem der Formel 1 ist dieser Unsinn ausgeschlossen.

Wir wollen hierbei eines feststellen. Es geht nicht nur um uns, sondern um ALLE Teilnehmer, denn die Rechnungen ändern sich natürlich nicht auf den Folgerängen. Die Rechnung lässt sich auf ALLE weiter rechnen.

Es gibt aber noch weitere Baustellen. Wenn wir hören, dass sich beim Thema Streckenposten und deren Verpflegung in den letzten Jahren nichts geändert hat, dann muss man sich als Veranstalter nicht wundern, dass es immer schwieriger wird, jemanden zu finden, der seine Freizeit für uns opfert, um zu unserer Sicherheit da zu sein.

Wenn darüber diskutiert wird, ob man bei 40 –50 Verpflegungsbeuteln für ein Wochenende statt zwei vier Brötchen (30 Cent/St.) bzw. statt 1 Flasche Wasser 2 Flaschen (1,5 Liter zu 19 Cent/St.) in einen Verpflegungsbeutel macht, dann greifen wir uns wirklich an den Kopf. Erwähnenswerte Mehrkosten entstehen dadurch nicht. Den Streckenposten dann auch noch die Bitte um Kaffeewasser (3 Liter) auszu-schlagen, ist ein Hohn und grenzt schon an Dummheit bzw. den Versuch der Sabotage einer Veranstaltung.

Ein weiterer Punkt ist, dass man versucht, Veranstaltungen schlecht zu reden. Wir meinen damit ganz speziell die Strecke in Tiefenbach. Sicherlich ist die Strecke im oberen Abschnitt nicht gut. Wir halten es aber für falsch, dass die Strecke nicht befahrbar ist. Man wird uns sicherlich zustimmen, dass unser Auto nicht gerade ein Alltagsauto für den Aldi-Einkauf ist. Dennoch stellen wir uns der Herausforderung auch dieser Strecke, welche erklärtermaßen zu einer unserer Lieblingsstrecken und Lieblingsveranstaltungen gehört. Unser Unfall von 2016 hatte nichts mit der Streckenbeschaffenheit zu tun. Es war schlicht ein Fahrfehler. Wir könnten das natürlich auch leicht anders behaupten, was aber mehr als unfair wäre.

Wir sollten alle froh sein, dass es überhaupt noch Vereine gibt, die Bergläufe veranstalten. Wir wollen hoffen, dass es nicht noch weniger werden, was aber zu befürchten ist, wenn wir Gerüchten Glauben schenken sollen.

Nach heutigem Stand der Dinge haben wir beschlossen, auch 2018 nicht an den Start zu gehen, da wir den Wertungsmodus als unfair und nicht tragbar erachten. Nicht tragbar, weil wir bereits jetzt wissen, dass wir nicht alle Rennwochenenden frei haben werden. Für uns ist es völlig unsinnig, tausende von Euros in eine neue Saison zu investieren, wenn von vornherein klar ist, dass wir auf Grund eines unfairen Wertungsmodus einen klaren Nachteil haben und ein fairer Kampf nicht gewahrt ist.

Wir empfinden es wirklich als Frechheit, wenn wir uns nach 30 Jahren Rennsport sagen lassen müssen, dass wir uns das falsche Hobby ausgesucht haben, weil wir eben nicht jedes Wochenende frei haben. Wir lieben unseren Sport, aber irgendwann ist das Maß voll. Wir werden die Zeit jedoch nutzen, um unser Auto von Grund auf in Schuss zu bringen, weil wir Spaß daran haben.

Sollten sich die Bedingungen ändern, werden wir erneute Überlegungen anstellen, ob es auch für uns eine faire Chance zur Teilnahme an der Bergmeisterschaft gibt.